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Rebekka Vollenweider

Danke Gott für die reichhaltige Ernte

Bericht Werner Nef_10.2023 (Foto: Rebekka Vollenweider)

Bekommt man ein Geschenk, ist es üblich, dass man sich dafür bedankt. So war es bereits in vorchristlicher Zeit brauch, dass sich Menschen in Israel, Griechenland oder im Römischen Reich für die Ernte bei ihren Gottheiten bedankten. Stand doch nicht weniger als die nahe Zukunft im nächsten Winter auf dem Spiel.





* Text von Werner Nef *
War die Ernte schlecht, drohte bald eine Hungersnot. So ist es nicht verwunderlich, dass auch in der christlichen Kirche Erntedankfeste bis zurück ins 3. Jahrhundert belegt sind.

Das Erntedankfest ist in jeder Beziehung ein ganz besonderer Feiertag. Von der Kirche wird nicht ein bestimmter Termin vorgeschrieben und jeder Kirchgemeinde wird freigestellt, ob und wann sie ihn feiern will. An vielen Orten hat sich der Sonntag nach Michaelis, also der erste Oktobersonntag durchgesetzt. Diesem Datum liegt sogar ein Beschluss des preussischen Königs von 1773 zu Grunde. Dazu kommt, dass als einziger christlicher Feiertag auch die geographische Lage eine Rolle spielt. Auf der Südhalbkugel feiern Christen das Erntedankfest logischerweise im Frühjahr.

Bei uns bedankt man sich in der Regel Ende September oder im Oktober für die göttlichen Gaben. Das geschieht überall anders. Die einen ziehen in einer Prozession durch die Gemeinde, andere gestalten kunstvolle Kronen, andere dekorieren ihre Kirchen mit Produkten aus der Landwirtschaft. Seltener werden aus Samen und Früchten kunstvolle Teppiche mit christlichen Motiven ausgelegt. Teilweise werden auch andere naturnahe Gaben wie Honig, Mehl oder Wein vor dem Altar ausgestellt. Die Gaben werden nach der Feier an Heime, Obdachlose oder karitative Organisationen verteilt. Auf dem Land wird der Erntedanksonntag meistens intensiver gefeiert als in der Stadt, denn die Landwirte sind direkt von einer guten Ernte abhängig. Anschliessend sitzen die Teilnehmer des Gottesdienstes oft in fröhlicher Runde zusammen und feiern die gute Ernte in Dankbarkeit und guter Launen. In anderen Kulturkreisen wird der Erntedank in grossen Volksfesten mit Riten und Gebeten gefeiert. Besonders bekannt ist der amerikanische „Thanksgiving Day“ der in den USA sogar als staatlicher Feiertag gilt. Mit der zunehmenden Globalisierung sind Hungersnöte in unserer Gesellschaft beinahe verschwunden, aber wer weiss, was bei der unstabilen Weltpolitik wieder alles auf uns zukommt.

Unsere Kirchgemeinde dankt jedes Jahr am letzten Oktobersonntag Erntedank für die Ernte. Dieser Termin ist Dank der Zeitumstellung besonders günstig, so finden auch Langschläfer bequem den Weg zum ökumenischen Familiengottesdienst. Pfarrer Pius Helfenstein gestaltet ihn diese Jahr unter dem fröhlichen Motto „Apfel und Kartoffel streiten sich“. Anschliessend trifft man sich zum Mittagessen, shoppen und gemütlichen Beisammensein im traditionellen Herbstmarkt im Kirchgemeindezentrum. Der gesamte Erlös wird einem karitativen Zweck zugeführt.

Eigentlich müsste das Erntedankfest, respektive ein „Dank für Alles“ einen viel grösseren Platz im Christentum einnehmen. Dass Gott ständig über uns wacht, uns führt und uns mit grosser Liebe noch mit viel reicheren Gaben als Lebensmitteln aus der Landwirtschaft beschert, verdient täglich mehr als nur einen herzlichen Dank.

--> Erntedank-Familiengottedienst - Sonntag, 29. Oktober, 10 Uhr, Kirche.
--> Herbstmarkt - Samstag und Sonntag, 28. Oktober ab 16 Uhr und 29. Oktober ab 11 Uhr, Evang. Kirchgemeindezentrum.

Bereitgestellt: 12.10.2023