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Rebekka Vollenweider

Senioren verabschieden Pfarrer Pius F. Helfenstein

Abschied Pius_Seniorennachmittag 2024 (5) (Foto: Rebekka Vollenweider)

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. So auch der Wechsel vom Berufs- ins Rentnerleben von Pfarrer Pius F. Helfenstein. Am letzten Seniorennachmittag der diesjährigen Saison der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rorschach, würdigte Marcel Stieger den scheidenden Pfarrer in einem sehr gelungenen Zwiegespräch. Die Zuhörer vernahmen Lichtblicke und Unbekanntes aus seiner Tätigkeit, aber auch wie der Rentner Helfenstein seine Zukunft sieht.

* Text von Werner Nef *

Pius berichtet, dass er in Arbon, Müllheim und verschieden anderen Thurgauer Gemeinden mit drei Geschwistern katholisch aufgewachsen ist. Zuerst studierte er Zahnmedizin, merkte aber schnell, dass dies nicht seine Berufung sein konnte und wechselte zur Theologie. Aufenthalte in Brasilien, Honduras und Nicaragua führten ihn zu mehreren kürzeren und längeren Aufenthalten in Slums – ein Leben zusammen mit den untersten Gesellschaftsschichten. Diese Erfahrungen formten sein Leben, so dass er seine Dissertation zur Doktorarbeit über die Befreiungstheologie schrieb. Später folge noch ein zweites Buch zum Interreligiösen Dialog aus seiner Hand.

1984 heiratete Pius seine Frau Gertrud. Gemeinsam zogen sie vier Kinder gross. Nach dem Studium trat er eine Pfarrstelle in Lausen BL an. Als er sich 1998 beruflich verändern wollte, kam dem damals 38-jährigen Pfarrer die ausgeschriebene Stelle in Rorschach gerade recht. Als Nachfolger von Pfarrer Schippert übte er den Beruf nebst Pfarrer Schnöring aus und war bald Mitglied in verschiedenen Kommissionen der Kirchgemeinde.

Ein ereignisreiches Jahr war 2009. Damals wurde Pfarrer Schnöring pensioniert und mit dem Ehepaar Marchlewitz kamen junge Pfarrsleute nach Rorschach. Für Pius bedeute diese, dass er über Nacht vom Jungpfarrer zum alten Pfarrer „aufstieg“. Ein Ereignis, das einen ganz neuer Lebensabschnitt einläutete. Die Feststellung, dass er ebenfalls den Zenit seines Lebens überschritten hatte, zwang ihn über das vergangene und zukünftige Leben nachzudenken. Eine Weiterbildung zum Spitalseelsorger erweiterte sein Tätigkeitsgebiet und brachte ihm viel Freude und neuen Elan. Weiter veränderte und bereicherte sich sein Aufgabenbereich als Dekan des Kirchenbezirks St.Gallen. In dieser Funktion betreute er die Kirchgemeinden zwischen Gossau und Rorschach und kam so mit vielen unterschiedlichen Menschen und deren Fragen und Sorgen in Kontakt.

Als ihm der Moderator Marcel mit der schwierigen Frage nach seinen Stärken und Schwächen auf den Zahn fühlte, nannte Pius spontan als Schwäche, dass er gerne Süsses, am allerliebsten Mailänderli mag. So erinnert er sich gerne und schmunzelnd daran, wie er einst mit einem Konfirmanden eine kleine Wette einging und dabei ein Kilogramm Mailänderli gewann.

Als kurze Unterbrechung gab Ueli Engler das Lied „La-haut sur la montage“ begleitet von Ute Rendar am Flügel zum Besten.

Auf die Frage nach besonderen Herausforderungen kam Pius auf eine Predigt über Sören Kierkegaard zu sprechen, die ihn besonders emotional berührte. Als eines der schwierigsten Predigtthemen galt bestimmt jenes beim Allianzgottesdienst, kurz vor der Abstimmung „Ehe für alle“, über das umstrittene Thema der Homosexualität und der gleichgeschlechtlichen Ehe. Wenn die Predigt auch nicht von allen Gottesdienstbesuchern mit Begeisterung aufgenommen worden war, seinen Zweck erfüllte sie dennoch und führte zu angeregten Diskussionen und Nachdenken.

Lang ist die Liste der Projekte, die Pfarrer Helfenstein in seiner Amtszeit in Rorschach auf die Beine gestellt hat. So ist er z.B. der Vater vom „Helfen mit Suppe“ und den interreligiösen Treffen in Rorschach und Umgebung. Ganz besonders am Herzen liegt ihm der Männerapéro, wo jeweils ein brennendes gesellschaftliches oder religiöses Thema unter Männern offen und ehrlich zu Wort kommt. Auch das Pilgern auf dem Jakobsweg oder die Skilager in Braunwald und Adelboden sind seine Kinder. Bildungsreisen für Erwachsene, wie vor kurzem die Reise zu den Waldensern ins Piemont, bilden einige Eckpunkte seines breiten Engagements.

Zuletzt blieb noch die Frage, wie geht es mit dem Ehepaar Helfenstein nach der Pension im Frühsommer weiter? Zuerst steht eine halbjährige Tour mit dem Tandem zusammen mit seiner Frau Gerdrud zu den Baltischen Staaten auf dem Programm. Den ganzen Oktober hilft er als Spitalseelsorger im Kantonsspital aus und ab November übernimmt er einige Engagements als Freiwilliger unser Kirchgemeinde.

Die schlichte Feier beendete Ueli Engler mit einigen Liedern, darunter „Am Himmel strahlt es Stärnli z`Nacht“ oder „Es rennt schon die Zeit davon“.

Zum Schluss freute sich Pius, dass er bald nicht mehr ein Angestellter der Kirche, sondern ein Vollmitglied sein dürfe. Mit grossem Applaus wurde der scheidende Pfarrer und seine Frau von den Senioren dankend und würdevoll verabschiedet. Uns Senioren bleibt an dieser Stelle Pius nur noch für seinen neuen Lebensabschnitt viel Glück und alles Gute zu wünschen. Er bedankte sich bei den Senioren mit dem Satz: „Zu Menschen die Danke sagen, kommt man gerne zurück!“ Vor dem Nachhauseweg wurden alle Teilnehmer mit Kaffee und Osterküchli verwöhnt und dabei rege über das Gehörte diskutiert.

Der offizielle Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Pius F. Helfenstein mit anschliessendem Apéro findet dann am Sonntag, 5. Mai 2024 statt. Dazu sind alle herzlich eingeladen.

Bereitgestellt: 21.03.2024