Vom 15. – 20. November stellt eine Wanderausstellung im Gleis K und diverse Veranstaltungen unserer Kirche eine Engländerin vor, welche die wenigsten kennen, die aber für alte und sterbende Menschen ein überaus wichtiges Werk hinterlassen hat.
Am 4. Juli 2005 verstarb die grosse Ärztin und Pionierin. Anlässlich ihres 20. Todestages ist in zahlreichen Kirchgemeinden der Schweiz eine sehenswerte Wanderausstellung unterwegs, die von den Aargauischen Landeskirchen und diversen anderen Organisationen getragen wird. Zwischen dem 15. - 20. November 2026 macht sie auch in Rorschach im GleisK Halt. Die Ausstellung gibt Einblick in die moderne Palliativpflege, spornt die Besucher an, selbst über das Altwerden nachzudenken und sich mit dem eigenen Tod auseinander zu setzten.
Am Sonntag dem 15. November seht der Gottesdienst ganz im Zeichen von Cicely Saunders. Der Kirchenkaffee findet im GleisK mitten in der Ausstellung statt.
In einem zusätzlichen Rahmenprogramm lädt das Palliative Ostschweizer Forum Bodensee am 18. November zu einem Abend ins Evangelische Kirchgemeindezentrum ein. Höhepunkt der Veranstaltung wird der Film „Noch 16 Tage“ um 19 Uhr sein, der Einblick in den Alltag einer Strebeklinik, aber auch die Erfolge der modernen Palliativmedizin zeigt. Das vollständige Programm, wie Vorstellung des Hospiz St.Gallen oder der Netzwerkpartner Palliative Care Forum Bodensee, ist auf ref-rorschach.ch ersichtlich.
» Veranstaltung am Mittwoch, 18. November «10 Jahre Palliativ Ostschweiz Forum Bodensee»
» Einstieg in die Ausstellung – Kurzinfo zu Palliative Care und Cicely Saunders:
» Homepage Wanderausstellung
Öffnungszeiten
Sonntag, 15. November: Nach dem Gottesdienst Kirchenkaffee in der Ausstellung
Montag bis Freitag 9 bis 11.30 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr
Ausstellungsort
GleisK, Signalstrasse 34, 9400 Rorschach
Der Ausführliche Text über die Ärztin und Pionierin Cicely Saunders von Werner Nef
Weshalb ehrt die evangelisch-reformierte Kirche Rorschach Cicely Saunders?
Cicely Saunders wurde 1918 in England geboren. Ab 1937 studierte sie Philosophie, Politik und Ökonomie. Während dem Zweiten Weltkrieg wollte sie etwas Nützlicheres machen und liess sich zur Krankenschwester ausbilden. Nach dem Krieg schloss sie 1947 ihr Studium doch noch erfolgreich ab. Im selben Jahr wandelte sich die Atheistin in einem evangelischen Sommercamp zur Christin, was ihr künftiges Leben prägte. Ihre erste Stelle trat sie im St.Thomas Hospital als Hilfsfürsorgerin an, wo sie sich vorwiegend um Krebskranke im Endstadium kümmerte. Saunders stellte fest, dass diese Patienten unzureichend versorgt wurden und vor allem unter zermürbenden Schmerzen litten.
Von einem polnischen Jude, den sie pflegte, erbte Saunders ein Vermögen mit dem Wunsch, ein Sterbeheim zu eröffnen. Um ihn zu erfüllen, musste sie sich zuerst weiterbilden und schloss 1957 mit einem Bachelor in Medizin ab. 1959 legte die junge Ärztin ein erster Plan für ein Sterbehospiz vor, musste aber noch sieben Jahren warten, bis sich 1967 ihr Traum erfüllte. In dieser Zeit arbeitete sie im St. Luke’s Hospital, wo sie auch während des Studiums tätig war.
Zu dieser Zeit verabreichte man dort den Patienten geringe Mengen Morphium zur Schmerzlinderung, was Sunders zu weiteren Forschungen anspornte. Am St. Joseph’s Hospiz konnte sie diese Therapie weiterentwickeln und nachweisen, dass Morphium nicht abhängig macht, wenn man es regelmässig dem Patienten in angepasster Dosis verabreicht, so dass die Schmerzen kontinuierlich unterdrückt werden.
Ihre Erfahrungen liess sie vier Schmerzdimensionen, physische, psychische, soziale und spirituelle Schmerzen unterscheiden. Die Ärztin erkannte, dass schwerkranke Menschen weit über das rein körperliche hinaus leiden, was eine umfassende, ganzheitliche Behandlung erfordert. So gründete Saunders für sterbende Patienten das stationäre St.Cristopher‘s Hospiz im Süden Londons, dem sie bis 1985 vorstand. 1977 führte man für diese Betreuung den Begriff Palliative Care ein, der verdeutlicht, dass das Hospiz-Konzept überall angewendet werden kann. Professionelle Teams unterstützen ehrenamtliche Helfer sowie Angehörige. Zentral gilt die Lebensqualität und Selbstbestimmung des Sterbenden bis zum Schluss als wichtigsten Grundsatz.
Cicely Sunders war es als religiöse Frau sehr wichtig, dass medizinisches Fachwissen mit religiöser, spiritueller Haltung und Überzeugung verbunden sind muss. Eine Sterbehilfe die Organisationen wie Exit anbieten, lehnte sie nicht nur aus religiöser Sicht ab, sie war überzeugt, dass dieser Wunsch bei richtiger Fürsorge gar nicht erst aufkommt.
Nach dem Vorbild St.Christopher’s entstanden weltweit über 8000 Hospize. Die Entwicklung der Sterbebegleitung, der Palliativmedizin und der Palliativpflege sind Saunders Pionierarbeit zu verdanken. Damit die Erkenntnisse der Pionierin nicht nur Krebspatienten zu Gute kommen, sondern allen sterbenden Menschen offensteht, gründete sie 2002 die Cicely Saunders Foundation. Um das Werk zu vervollständigen konnte 2010 auch das Cicely Saunders Institut eröffnet werden. Es vereint Forscher, Ärzte, Lehrer und Pflegende unter einem Dach.
Königin Elisabeth II würdigte die grossen Verdienste Saunders, indem sie die Ärztin 1980 in den Adelsstand hob und 1989 in den Merit Orden aufnahm. Im selben Jahr wurde sie als einzige Frau des 20 Jahrhunderts in England mit dem Ehrendoktor der Medizin ausgezeichnet, um nur einige Ehrungen zu nennen.
Am 4. Juli 2005 verstarb die grosse Ärztin und Pionierin. Anlässlich ihres 20. Todestages ist in zahlreichen Kirchgemeinden der Schweiz eine sehenswerte Wanderausstellung unterwegs, die von den Aargauischen Landeskirchen und diversen anderen Organisationen getragen wird.
Cicely Saunderns war mehr als nur eine Ärztin und Pionierin. Sie war ein grosses Vorbild für Menschlichkeit und Liebe und ein hervorragendes Beispiel von gelebter Christlichkeit, da es ihr nie um den Profit oder Ruhm ging. Bei ihr standen immer die leidenden und sterbenden Menschen im Vordergrund. Bleiben wir an der Ausstellung einen Moment vor dieser selbstlosen Frau Dr. Saunders ehrfurchtsvoll stehen, sie hat es verdient.