Der Weihnachtsbaum
Auch bei uns, in der reformierten Kirche, steht der Baum, geschmückt mit Kugeln und kleinen Engeln, mit Kerzen die darauf warten in der Heiligen Nacht entzündet zu werden.
Aber woher kommt der Brauch, einen geschmückten Nadelbaum in heimische Gefilde zu stellen.
Welche Bedeutung hat es und welche Bedeutung hat es für einen persönlich?
* Text von Nicole Mante, Quellen SWI swissinfo.ch
Despektierliche Ausdrücke wie «Hallelujabesen» können nicht darüber hinwegtäuschen. Der Tannenbaum ist von allen Weihnachts-Accessoires dasjenige, das die meisten Emotionen hervorruft. In der unfruchtbaren, kalten Jahreszeit wecken sein Grün und die Lichter Hoffnung auf Fruchtbarkeit und Wärme.
Schon die alten Römer schmückten zur Winterzeit ihre Häuser mit Immergrün. Auch die
Germanen glaubten, dass in Koniferen gute Geister wohnten, die mit spitzen Nadeln Dämonen abwehrten und mit Magie die Bäume vor dem Verdorren bewahrten.
Im Volksglauben schützt Tannengrün das Haus vor Hexen, Krankheiten und Blitzschlag. Man brachte deshalb Zweige mit der Spitze nach unten an der Decke an.
Erst als im 19. Jahrhundert Kerzen gebräuchlich wurden, hängte oder stellte man die Bäume aufrecht.
Der Brauch des Tannengrüns wurde zunächst von der Kirche als heidnisch abgelehnt. Eine Strassburger Fastenpredigt von 1508 überliefert, dass «Tannreisig in die Stube legen ein unflätig, unchristlich Ding sei»
Im frühen 16. Jahrhundert sind die ersten Vorläufer des Weihnachtsbaums belegt. Die Burschenschaften und Handwerkszünfte, begannen damals damit, zu Silvester Tannenbäume mit Esswaren zu behängen, sie im Umzug durch die Gemeinde zu tragen und am Schluss zu schütteln, damit die Armen sich der Leckereien bedienen konnten.
Ein Dattelbaumschütteln wurde auch 1507 in Bern veranstaltet.
Und 1597 beglückten die Basler Schneidergesellen die Bedürftigen mit einem Baum, an dem Äpfel und Käse hingen.
Danach eroberte der Christbaum allmählich die Privathaushalte, zunächst allerdings nur die höfischen. Der erste Lichterbaum wird Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien zugeschrieben, die ihn 1611 in ihrem Schloss aufstellte.
1708 erzählte Lieselotte von der Pfalz ihrer Tochter brieflich vom Christbaum ihrer Kindheit.
1770 sah Goethe seinen ersten Weihnachtsbaum in Strassburg.
In den bürgerlichen Stuben gelangte der Weihnachtsbaum gleichsam via Schützengraben.
Weihnachten 1870, während des deutsch-französischen Kriegs, liessen die deutschen Heerführer in den Quartieren Christbäume aufstellen, um die Moral der Truppe zu stärken. Das gefiel den Soldaten so gut, dass sie den Brauch in ihre Familien brachten.
Nachdem 1818 Stearin und 1830 Parafin erfunden worden waren, waren Kerzen nun für jedermann erschwinglich geworden. Die essbaren, aber verderblichen Weihnachtsschätze der Gemeinschaftsbäume wurden mehr und mehr durch haltbaren Christbaumschmuck ersetzt, gefördert von der im 19. Jahrhundert erstarkenden Glasbläserindustrie.
Deutsche Auswanderer brachten den Christbaum in die Neue Welt: 1891 stand erstmals einer vor dem Weissen Haus in Washington.
Etwas länger dauerte es im romanischen Europa.
In der Westschweiz ist der erste Christbaum um 1900 belegt.
Dieser kurze geschichtliche Einblick zeigt uns immer wie spannend es ist, wenn etwas Neues entsteht.
Den Gedanken des Schüttelbaumes für Kinder und Bedürftige finde ich eine schöne Idee, die wer weiss, irgendwann einen Mutigen findet die alte Tradition neu zu beleben.
In diesem Sinne wünsche ich Allen viel Freude beim Aufstellen des Baumes in den heimischen Stuben.
Kommen sie vorbei und geniessen sie unseren schönen Baum in der Reformierten Kirche Rorschach.
Gesegnete Weihnachten.
Strahlend wie ein schöner Traum,
steht vor uns der Weihnachtsbaum.
Seht nur, wie sich goldenes Licht
Auf der zarten Kugel bricht.
Frohe Weihnacht klingt es leise
Und ein Stern geht auf die Reise.
Leuchtet hell vom Himmelszelt,
hinunter auf die ganze Welt.