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Rebekka Vollenweider

Christliche Kirchen feiern 1700 Jahre Glaubensbekenntnis

Glaubensreihe Bekenntnis 2025 (Homepage) (Foto: Rebekka Vollenweider)

2025 ist ein besonders Jahr in den christlichen Kirchen. Vor 1700 Jahren wurde am Konzil vom damaligen Nizäa 325 unser heute noch gültiges Glaubensbekenntnis beschlossen. Ist dieses alte Dokument noch zeitgemäss, oder muss es neu überdacht werden. Die evangelisch-reformierte Kirche Rorschach geht an drei Sonntagen im Oktober zum Jubiläum in einer Predigtreihe diesen Fragen nach.


* Text von Werner Nef *
In der Frühzeit unseres Glaubens herrschte unter den Christen alles andere als Harmonie und Einigkeit. Um die Jahre 320 n.Chr. bewegte vor allem eine Fragen die christliche Gemeinschaft: „Wer ist Jesus Christus wirklich - ist er Gott oder nur ein besonderer Mensch?“ Vor allem Arius, ein Theologe des Frühchristentums aus Alexandria vertrat die Meinung, dass Gott und der Sohn Jesus Christus nicht zusammen als Gott anzusehen sein dürfen, da diese Ansicht gegen das Monotheismusgebot (Eingottlehre) verstosse. Für ihn war Jesus ein besonderer, von Gott erschaffener Mensch, aber nicht Gott.

Der erste christliche, römische Kaiser Konstantin wollte, dass die junge Christengemeinschaft zusammenhalte und die Frage kläre. Deshalb lud er im Jahre 325 200 bis 300 Bischöfe und Kleriker aus aller Herren Länder nach Nizäa in der heutigen Türkei zu einem Konzil ein.
Nach langen Diskussionen und Gebeten kam das Konzil zum Schluss, dass Jesus wahrhaft Gott ist und erklärten ihn für wesensgleich mit dem Vater. Nur so könne Jesus seine Mission der Erlösung für uns Menschen erfüllen. Das Konzil ging so weit, dass sie Gott Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist als drei Wirkungsweisen, aber als einen Gott ansahen und so die göttliche Dreifaltigkeit oder Trinität begründeten.

Diese Entscheidung wurde im nizäischen Glaubensbekenntnis niedergeschrieben, das bis heute für viele Christen ein wichtiger Bestandteil unseres Glaubens ist. Ebenfalls wurde an diesem Konzil auch das Datum für Ostern, am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond und weitere kirchliche Regeln festgelegt.

Haben heute, nach 1700 Jahren, diese Beschlüsse und das Konzil noch ihre Gültigkeit? Ganz bestimmt, denn einerseits ist das Glaubensbekenntnis ein unumstösslicher Pfeiler unserer christlichen Religion, ein Anker und unverrückbarer Fels in der Brandung unserer Christlichen Überzeugung. Unser Pfarrehepaar Patrick und Esther Marchlewitz werden im Oktober an drei Sonntagen ihre Predigten diesem ausserordentlichen Jubiläum widmen:
• 05. Oktober „Um Gott streiten – wie und weshalb es zum Konzil von Nizäa kam und wer dabei war“, wird das Thema des ersten Sonntags sein.
• 12. Oktober „Das Nizäische Bekenntnis – was geschah vor 1700 Jahren mit Gott“ beschäftigt die Gemeinde am zweiten Sonntag und wird uns das Glaubensbekenntnis erklären und wieder einmal in Erinnerung rufen.
• 19. Oktober „Unter dem Motto Ich will so glauben, wie es zu mir passt – Ist das Bekenntnis noch zeitgemäss?“ Wird die Beziehung vom Glaubensbekenntnis zur heutigen Zeit und Gesellschaft betrachte.

Nach meiner persönlichen Meinung ist die Gefahr der Uneinigkeit in unserer Gesellschaft mindestens ebenso gross, wie sie damals war. Viele Faktoren wirken heute negativ auf unseren Glauben ein. Der Wohlstand und die Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft, aber auch Einflüsse durch die Esoterik mit Verbindungen zu ausserchristlichen Religionen, nagen nebst vielen anderen Faktoren an unserem Glauben. Die Rolle von Arius übernehmen ganz im Stillen und langsam die Naturwissenschaften. Die Frage lautet heute: „Wollen wir uns von physikalischen und chemischen Gesetzen, oder gar der modernen Technik, wie der künstlichen Intelligenz, leiten lassen? Finden wir dort Trost, Halt und Geborgenheit?“ Gerade die darwinsche Evolution, die nachweislich im ganzen Universum wirkt, übt enorme Auswirkungen auf den christlichen Glauben aus. Hat sie in den 1700 Jahren sogar unsere Religion im Fundament unterhöhlt und die Grundwerte erschüttert? 2025 ist deshalb ein grosses und wichtiges Jahr für uns Christen. Dass die Evolution viel langsamer verläuft und weniger Bedeutungsvoll wirkt, wird sichtbar, wenn wir alles aus einer anderen Perspektive betrachten. Nehmen wir als Beispiel den Mont Everest. Der Berg hat sich in den letzten 1700 Jahren kaum wesentlich verändert ausser, dass er in den letzten paar Jahrzehnten von uns Menschen respektlos bezwungen und mit Zivilisationsmüll verschandelt wurde. Sowas darf mit unserem christlichen Glauben auf keinen Fall passieren. Bewahren wir das Bild, das wir durch Jesus Christus erhalten haben als fester Bestandteil unseres Lebens, auf das wir immer zählen und vertrauen dürfen.

Gerne lade ich sie herzlich zu diesen spannenden und lehrreichen Gottesdiensten ein. Falls sie weitere Infos wünschen, verweise ich sie auf unsere Homepage: www.ref-rorschach.ch.
Bereitgestellt: 23.09.2025