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Rebekka Vollenweider

Wie gehe ich mit dem Tod um

Licht - trotzdem <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Werner&nbsp;N&auml;f)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>203</div><div class='bid' style='display:none;'>1234</div><div class='usr' style='display:none;'>1</div>

Gerade im Spätherbst, wenn die Tage wieder kürzer werden und die Nebelschwaden um die Häuser eine melancholische Stimmung verbreiten, denken wir vermehrt über den Tod und das Sterben nach. Eines ist sicher, ereilt uns die Todesnachricht eines lieben und nahestehenden Menschen, sind wir zuerst erschüttert und können oder wollen die Nachricht kaum fassen. Sie wirft uns oft völlig aus der Bahn. Nachdem sich der erste Schock etwas gelegt hat, beginnen wir zu trauern und wir befassen uns innerlich mit dem Verstorbenen.
Ein Text von Werner Nef
Sein Leben, unsere Beziehung zu ihm und all die Begebenheiten, die wir gemeinsam erleben durften, passieren in uns Revue. Auffallend oft nehmen die guten Eigenschaften des Verstorbenen einen weit grösseren Platz in unseren Erinnerungen ein, als die negativen. Es ist auch sehr wichtig, wie ein Mensch uns verlässt. Am grausamsten trifft es einem, wenn junge Angehörige durch einen plötzlichen Todesfall wie Unfall oder Schlaganfall uns verlassen. In diesem Fall bleiben oft sehr viel Fragen ungeklärt, die man gerne noch besprochen hätte. Stirbt ein Mensch in hohem Alter, oder nach langem und schwerem Krankenlager, ist es oft für beide Seiten eine Erlösung. Trotzdem bleibt die Todesnachricht ein harter Schlag.

Einen Zwiespalt lässt sich feststellen in der Art und Weise, wie wir selber bestattet werden möchten. Bis vor wenigen Jahrzehnten war klar, dass wir auf dem Friedhof beigesetzt werden. Mit der Liberalisierung des Glaubens kommen immer mehr Menschen davon ab und wollen in einem Gemeinsamengrab, unter einem Baum, im See oder Gebirge ihre letzte Ruhe finden. Gerade ältere Hinterbliebene möchten gerne ihre Liebsten an einem Grab besuchen und so mit ihm in Verbindung bleiben, denn die Gewissheit, dass der geliebte Mensch hier ruht, kann ein sehr grosser Trost sein. Ebenfalls ist es wichtig, dass man nicht alleine trauern muss, denn zusammen mit anderen Leidensgenossen wird die Last leichter getragen. Den allergrössten Trost finden Trauernde im Gedanken, dass man nach dem Tod mit dem Verstorbenen irgendwann im Himmel wieder vereint wird.

Die meisten Menschen fühlen sich bei einem Todesfall hilflos und verlassen und wissen nicht, was zu tun ist. Das ist der Moment, wo viele Menschen den Weg zu Gott suchen. Wir beschäftigen uns im normalen Leben viel zu wenig mit unserer Seele, weil sie durch all unsere Aktivitäten in den Hintergrund tritt. Bei einem Todesfall kommt sie wieder zum Vorschein und löst oft den Wunsch aus, unser Leben zu ändern, weil uns die Vergänglichkeit und Leere bewusst wird. Leider wird dieser Vorsatz aber meistens mit der Zeit wieder in den Hintergrund gedrängt, wenn die sehr wichtige Zeit der Trauer dem Alltag weicht. So vergeben wir eine Chance, unser Leben in Gottes Hand zu legen. Gelingt uns dieser Schritt, wird der Verlust eines geliebten Menschen zu einem Wegweiser in eine neue Welt und der Verstorbene hat uns einen letzten, grossen Dienst erwiesen. Wenn wir den Tod in diese Richtung sehen, verliert er wesentlich von seinem Schrecken und der Ungewissheit was kommen wird. Dem eigenen Tod ruhig und ohne Angst in die Augen schauen zu dürfen, ist eine gewaltige göttliche Gnade, die jedem Menschen von Herzen zu gönnen ist.
Bereitgestellt: 26.10.2020     Besuche: 23 Monat 
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